Fahrrad-Ratgeber: Welcher Reifen passt zu meiner Felge? (mit Tabelle)
Markus MüllerTeilen
Fahrrad-Ratgeber: Welcher Reifen passt zu meiner Felge? (Tabelle)
Kurze Zusammenfassung: In diesem Ratgeber erfährst du, wie du die Felgeninnenweite korrekt misst und welche Reifenbreite zu deiner Felge passt. Wir erklären die ETRTO/ISO-Norm, den Felgendurchmesser (BSD), geben eine große Kompatibilitäts-Tabelle (Felgenbreite → empfohlene Reifenbreiten + typische Durchmesser) und liefern Praxis-Tipps zu Rahmenfreiheit, Tubeless, E-Bike-Freigaben, Luftdruck und Montage. Am Ende weißt du exakt, welche Reifengrößen sicher funktionieren – inkl. Beispiel-Kombinationen und Checkliste.
1. Warum die richtige Kombination aus Felge & Reifen wichtig ist
Reifen und Felge bilden ein System. Stimmt die Kombination aus Reifenbreite und Felgeninnenweite nicht, leidet die Sicherheit (z. B. Abwalken in Kurven), die Performance (Rollwiderstand, Grip) oder die Haltbarkeit (Durchschläge, Risse an der Wulst). Eine passende Paarung sorgt für:
- Sicheren Sitz des Reifenwulsts in der Felge (geringe Blowout-Gefahr).
- Stimmige Reifenform: nicht zu „eckig“ (zu schmal) und nicht „ballonartig“ (zu breit).
- Planbare Druckbereiche, Traktion und Komfort – on-road wie off-road.
Die gute Nachricht: Mit wenigen Maßen und der folgenden Tabelle findest du schnell die passende Größe.
2. Grundlagen: ETRTO/ISO, Felgeninnenweite & BSD
Die ETRTO/ISO-Norm standardisiert Reifengrößen. Beispiel: 40-622 bedeutet ca. 40 mm Reifenbreite und 622 mm Bead Seat Diameter (BSD) – der effektive Felgendurchmesser am Sitz des Reifenwulsts. Daneben liest du häufig Zoll- oder französische Angaben (z. B. 28"/700C), die jedoch uneinheitlich sein können. Verlasse dich für die Passform immer auf die ETRTO-Werte.
Die Felgeninnenweite (engl. Rim Internal Width, oft „IW“) ist das Maß zwischen den Felgenhörnern. Sie beeinflusst die sichere Spanne der Reifenbreiten. Als Faustregel gilt: Reifenbreite ≈ 1,4–2,4 × Felgeninnenweite. Innerhalb dieser Spanne erhältst du eine stimmige Reifenform und stabilen Sitz.
3. Felgen richtig messen: Schritt-für-Schritt
Bevor du die Tabelle nutzt, ermittle die Felgeninnenweite und – wenn nötig – den BSD deiner Felge. So gehst du vor:
- Reifen abnehmen (mindestens eine Seite) oder Luft vollständig ablassen, damit du die Felgenhörner siehst.
- Messwerkzeug: Verwende möglichst eine Schieblehre (digital/analog). Ein Lineal ist zu ungenau.
- Innenweite messen: Setze die Messschenkel innen an die Stege der Felgenhörner (da, wo der Reifenwulst sitzt). Lies den Wert in Millimetern ab – z. B. 19 mm, 21 mm, 25 mm.
-
Beschriftung prüfen: Viele Felgen sind markiert, z. B. „
622×19C“: BSD 622 mm, Innenweite 19 mm. Notiere beides. - Kontrolle: Wenn du keinen Aufdruck findest, miss sauber mehrfach und bilde den Mittelwert.
Tipp: Die Innenweite ist entscheidender für die zulässige Reifenbreite als der Außendurchmesser. Der BSD (z. B. 622/584/559/406) legt fest, welcher Durchmesser überhaupt passt; die Innenweite bestimmt, welche Breiten darauf sinnvoll laufen.
4. Kompatibilitäts-Tabelle: Felgenbreite → Reifenbreite & Durchmesser
Die Tabelle zeigt praxistaugliche Bereiche. „Empfohlen“ ist der Sweet Spot für Fahrverhalten & Sicherheit; „Grenzbereich“ kann funktionieren, erfordert aber saubere Montage, passende Drücke und ausreichend Rahmenfreiheit. Prüfe stets die Herstellerfreigaben von Felge und Reifen.
| Felgeninnenweite (mm) |
Empfohlene Reifenbreite (mm) |
Grenzbereich* (mm) |
Typische BSD-Durchmesser | Typische Einsätze | Beispiel-ETRTO-Kombinationen |
|---|---|---|---|---|---|
| 13–14 | 20–28 | 18–30 | 622, 571, 650 | Rennrad klassisch, Leichtbau | 23-622, 25-622, 28-622 |
| 15–16 | 23–32 | 20–35 | 622, 571 | Rennrad modern, Fitness | 25-622, 28-622, 30-622, 32-622 |
| 17–18 | 25–35 | 23–38 | 622 | Allroad, schnelle City | 28-622, 32-622, 35-622 |
| 19 | 28–45 | 25–47 | 622, 584 | City/Trekking, Gravel schmal | 32-622, 37-622, 40-622, 45-622 |
| 20–21 | 32–50 | 30–54 | 622, 584 | Gravel, Trekking, Bikepacking | 40-622, 45-622, 47-584, 50-622 |
| 22–23 | 35–55 | 32–58 | 622, 584 | Gravel breit, SUV-City | 45-622, 50-622, 50-584, 55-584 |
| 24–25 | 40–60 | 37–64 | 622, 584, 559 | MTB XC/Trail (schmal), ATB | 50-622, 57-584, 60-559 |
| 26–27 | 47–64 | 44–68 | 622, 584, 559 | MTB Trail/All-Mountain | 57-622, 60-584, 62-559 |
| 28–29 | 50–69 | 47–72 | 622, 584 | MTB Trail/Enduro | 60-622, 63-584, 65-622 |
| 30–31 | 55–72 | 50–75 | 622, 584 | MTB Enduro/Plus (schmal) | 65-622, 70-584 |
| 32–35 | 60–76+ | 55–80+ | 622, 584 | Plus-Reifen, Bikepacking-Plus | 70-622, 71-584, 75-584 |
| 17–23 (BSD 406/451) | 28–50 | 25–54 | 406, 451 | 20″ Faltrad/BMX/Mini-Velo | 32-406, 40-406, 28-451, 37-451 |
| 17–23 (BSD 507) | 32–57 | 30–60 | 507 | 24″ Jugend/ATB | 37-507, 47-507, 54-507 |
*Grenzbereich: fahrbar bei sauberer Montage, passenden Drücken und ausreichender Rahmenfreiheit – bitte Herstellerangaben beachten.
Hinweis: Die Kompatibilität hängt zusätzlich von Karkassenbau, Wulstform (Draht/Falt/TLR) und Reifendruck ab. Für Tubeless gelten teils engere Freigaben; prüfe die Spezifikation deiner Felge/ deines Reifens.
5. Praxis-Beispiele & typische Setups
5.1 City/Trekking (BSD 622)
Felgen mit 19–21 mm Innenweite harmonieren bestens mit 35–50 mm Reifen. Beliebt sind 40-622 für Pendeln (Komfort + Speed) oder 47-622 für Touren/Schotter. Mit 19 mm Felge ist selbst 45 mm meist noch stimmig, sofern Rahmenfreiheit passt.
5.2 Gravel (BSD 622/584)
Gravel-Felgen liegen häufig bei 21–25 mm Innenweite. Damit funktionieren 38–50 mm Reifen sehr gut. Für rasantere, asphaltlastige Strecken wählt man 38–42 mm (700C/622), für raues Terrain 45–50 mm (auch 650B/584 mit 47–50 mm für mehr Volumen).
5.3 Rennrad (BSD 622)
Moderne Rennradfelgen (19–21 mm innen) fahren 28–32 mm Reifen – heute Standard für Komfort und Kontrolle. Ältere, schmalere Felgen (13–15 mm) passen eher zu 23–28 mm.
5.4 MTB (BSD 622 = 29″, 584 = 27.5″, 559 = 26″)
Trail/Enduro-Felgen haben 25–30+ mm Innenweite. Dazu passen 2.3″–2.6″ (≈ 58–66 mm). Wer Plus fährt (2.6–3.0″), nutzt 30–35 mm Felgen. Beachte: Mehr Volumen erlaubt niedrigere Drücke, verlangt aber saubere Fahrtechnik und Rahmenfreiheit.
5.5 Faltrad/Kinder (BSD 406/451/507)
Falträder (406) sind vielseitig: 32–50 mm funktionieren je nach Felge (17–23 mm) und Einsatzzweck. 451 (schmaler sportlicher) läuft häufig 23–37 mm. Bei 24″ (507) sind 37–54 mm verbreitet.
6. Rahmenfreiheit, Schutzbleche & Bremsen
Selbst wenn Felge und Reifen zueinander passen, muss der Rahmen/Gabel genügend Platz bieten. So prüfst du:
- Seitlich & oben an Kettenstreben, Sitzstreben und Gabelschaft mindestens 3–5 mm Luft, im Gelände 6–8 mm.
- Mit Schutzblechen zusätzlich 5 mm Reserve, damit kein Dreck schleift.
- Bremsen: Felgenbremsen (Caliper) limitieren die maximale Breite; bei Disc ist meist die Gabel/der Hinterbau limitierend.
Ein Reifen, der „theoretisch“ passt, kann praktisch schleifen, wenn der reale Ist-Maß größer ausfällt (Produktions-/Mess-Toleranzen) oder der Reifen auf breiterer Felge breiter steht. Miss daher am aufgebauten Rad nach.
7. Reifendruck, Systemgewicht & Fahrkomfort
Der optimale Druck hängt ab von Reifenbreite, Karkasse, Untergrund und deinem Systemgewicht (Fahrer:in + Rad + Gepäck). Grundidee: Breiter = weniger Druck bei gleicher Last. Zu hoher Druck vermindert Grip/Komfort, zu niedriger begünstigt Durchschläge (Snakebites) und Walken in Kurven.
- Rennrad 28–32 mm: häufig ~4.5–6.0 bar (leichtere Fahrer:innen weniger).
- Gravel 38–45 mm: ~2.5–4.0 bar (Schotter eher niedriger).
- City/Trekking 40–50 mm: ~3.0–4.5 bar je nach Last.
- MTB 2.3–2.6″: ~1.3–2.0 bar; Tubeless teils niedriger.
Tipp: Ausgehend vom Hersteller-Bereich in kleinen Schritten (0,2–0,3 bar) optimieren. Hinten wegen höherer Last meist etwas mehr Druck als vorne.
8. Tubeless, Schläuche & E-Bike-Hinweise
8.1 Schlauch (Butyl/TPU/Latex)
Mit Schlauch ist die Handhabung einfach. Wähle die passende Schlauch-Spanne (z. B. 28/37-622) und die richtige Ventilart/Länge. TPU ist leicht & kompakt, Latex sehr geschmeidig (etwas mehr Luftverlust), Butyl robust und pflegeleicht.
8.2 Tubeless
Tubeless erlaubt niedrigere Drücke und gute Pannensicherheit (Selbstabdichtung kleiner Einstiche). Voraussetzung: TLR-Felge, TLR-Reifen, korrektes Felgenband, Ventile und Dichtmilch. Beachte, dass manche Felgenhersteller engere Reifenbreitenfreigaben für Tubeless ausweisen.
8.3 E-Bike
Für E-Bikes achte auf E-Freigaben (E-25/E-50), tragfähige Karkassen und soliden Pannenschutz. Das höhere Systemgewicht verlangt sauber angepasste Drücke und robustere Aufbauten.
9. Häufige Fehler & wie du sie vermeidest
- Nur nach Zoll gehen: 28″, 700C und 29″ können denselben BSD 622 haben; relevant sind ETRTO-Werte und Innenweite.
- Zu breiter Reifen auf schmaler Felge: „Birnenform“, schlechter Kurvensitz, höheres Walken.
- Zu schmaler Reifen auf breiter Felge: „Kantenform“, weniger Komfort, Felgenschutz reduziert.
- Rahmenfreiheit vergessen: Besonders mit Schutzblechen und bei Matsch Reserven einplanen.
- Realer Reifen ist breiter als angegeben: Auf breiten Felgen bauen Reifen breiter; immer am aufgebauten Rad nachmessen.
- Falsche Drücke: Zu hoch = hart & rutschig; zu niedrig = Durchschlag & unpräzises Lenkgefühl.
- Tubeless ohne Freigabe: Nur TLR-Kombinationen fahren; sonst Dichtigkeits-/Sicherheitsprobleme.
10. FAQ: Kurz beantwortet
Wie finde ich die richtige Reifenbreite zu meiner Felge?
Miss die Felgeninnenweite (z. B. 21 mm) und nutze die Faustregel 1,4–2,4 × Innenweite. Bei 21 mm ergibt das ca. 30–50 mm Reifenbreite. Prüfe zusätzlich Rahmenfreiheit und Herstellerfreigaben.
Spielt der Felgendurchmesser (BSD) eine Rolle?
Ja. Der BSD (z. B. 622/584/559/406) muss zwischen Reifen und Felge identisch sein. Die Innenweite entscheidet dann über passende Breiten.
Kann ich 700C-Reifen auf 29″ fahren?
Meist ja, denn beides steht häufig für BSD 622. Achte aber auf Reifenbreite, Felgeninnenweite und Rahmenfreiheit.
Wie viel Reserve sollte ich am Rahmen lassen?
Rundum 3–5 mm, im Gelände 6–8 mm. Mit Schutzblechen zusätzlich ca. 5 mm einplanen.
Gibt es Unterschiede bei Tubeless?
Ja. Viele Felgenhersteller geben für Tubeless konkrete Reifenbreiten frei. Halte dich an TLR-Spezifikationen und nutze korrektes Band/Ventile/Dichtmilch.
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